


Hanspeter Baumgartner, Skipper und Mitstreiter der MidsummerSail 2025, nahm sein Publikum (26 höchst interessierte Teilnehmende) gemeinsam mit seinen beiden Mitsegelnden mit auf eine Reise, wie sie nur die Seefahrt zu erzählen vermag: mit trockenem Humor, lebendigen Schilderungen und einer Prise seemännischer Gelassenheit. Mit sicherer Hand am erzählerischen Ruder, stets auf Kurs zwischen Information und Unterhaltung, verstand er es, die Zuhörenden in seinen Bann zu ziehen. Unterstützt von eindrücklichen Filmsequenzen, Drohnenaufnahmen sowie wunderschönen, teils animierten Fotografien, liess er sie nicht nur teilhaben, sondern gleichsam mit an Bord gehen.
Am Mittsommertag – einem Datum, das im Norden mehr Licht als Dunkel kennt – wurde die Flotte traditionsgemäss durch den donnernden Kanonenschuss der Hansekogge «Wissemara» aus der Wismarer Bucht in das wohl längste und entbehrungsreichste Ostseerennen entsandt. Die Leinen wurden gelöst, der Kurs gesetzt – zunächst getragen von einem verheissungsvollen Start-Hoch, dem jedoch bald ein ebenso heftiges Tief folgte, das Mannschaft und Material gleich zu Beginn forderte.
Was folgte, war eine Reise durch alle Facetten der Seefahrt: lange Nachtwachen, in denen der Blick immer wieder über den Horizont schweifte; Stürme und Flauten, die wechselhaft wie die Launen des Meeres über Crew und Schiff hereinbrachen; und die Ostsee selbst, mit ihren tückischen Untiefen und der kurzen, steilen Welle, die einem so manches Mal das Gefühl gab, gegenan zu kreuzen – nicht nur im wörtlichen Sinne.
Besonders anschaulich – und nicht ohne augenzwinkernde Selbstironie – schilderte Hanspeter die Herausforderung, ohne funktionierenden Autopiloten unterwegs zu sein: ein nervöses Segelschiff, das jede kleine Kursabweichung übelnahm und die Crew zwang, das Heft stets fest in der Hand zu behalten. So hiess es, auch in müden Stunden die Stellung zu halten, die Segel im Griff zu behalten und gemeinsam durchzustehen – sehr zur „Freude“ der beiden Mitsegelnden, die sich die Wachen redlich teilten und dabei so manche Klippe der Müdigkeit umschifften.
Die Route führte die Teilnehmenden vom südlichsten bis zum nördlichsten Punkt dieser aussergewöhnlichen Regatta. Ziel war die legendäre gelbe Tonne im schwedischen Töre in der Provinz Norrbotten – gleichsam der nördliche Leuchtturm dieser Reise. Bis vor Kurzem diente sie gar als eine der ungewöhnlichsten Poststellen Europas: Wer mochte, konnte hier seine Briefe einwerfen – vielleicht jene Gedanken, die unterwegs über Bord gegangen waren. Am Ende stand, neben salzverkrusteter Kleidung, müden Gliedern und einer gehörigen Portion Seemannsgarn, das Finisher-Foto auf eben dieser Tonne. Und spätestens dort wurde klar: Diese Reise misst sich nicht nur in Seemeilen, sondern in Erinnerungen, die wie fest verankert im Gedächtnis bleiben.
Doch auch die Rückreise hatte ihren eigenen Kurs und wurde vom Referenten nicht minder lebendig inszeniert: Mit stimmungsvollen Drohnenbildern und wunderschönen Fotografien setzte er die Erlebnisse auf dem Weg zurück nach Travemünde gekonnt in Szene, sodass noch einmal eine frische Brise durch den Saal zu wehen schien.
Ein herzliches Dankeschön an Hanspeter Baumgartner für diesen fesselnden Vortrag, der uns alle für einen Abend mit auf grosse Fahrt genommen und sicher wieder in den Heimathafen geführt hat.
